Haushalts – und Abschiedsrede 20. April 2026

Petra Wich-Knoten (Kreisrätin ab Mai 2022 bis Mai 2026) und Petra Zenkel-Schirmer (Kreisrätin ab 2008 bis 2026) verabschieden sich als Kreisrätinnen bei der Sitzung des Kreistags in Steinbach a. W.


Der Traum aller Kämmerer ist, wenn schon kein Plus, dann wenigstens die „Schwarze Null“.
Da wir das nicht haben, heißt es: sparen – und das in einer Zeit, in der im Landkreis viel ansteht.
Der Bau einer neuen Berufsschule, das Kompetenzzentrum Pflege – um nur zwei der großen Projekte, die für euch anstehen, zu nennen.
Doch Sparen hat immer auch eine Kehrseite. Gerne wird unsere Umwelt missachtet, sie leidet lange still. Oft erst nach langen Jahren, manchmal gar Generationen, zeigen sich die Frevel, die man ihr angetan hat.
Der finanzielle Aufwand zur Beseitigung von Schäden ist immens im Vergleich zu den Kosten der Prävention. (Beispiel: Immissionen/ CO2- Ausstoß oder Beseitigung von giftigen Baumaterialien, Bodenversiegelung …).
Nicht alles hat der Landkreis zu verantworten, aber er kann Verantwortung zeigen und entsprechend agieren.
Oft trifft der Wille zu Sparen aber gerade auch Mitmenschen, die ohnehin schon auf der Schattenseite des Lebens stehen. Das zeigt sich deutlich z.B.:
zur Weihnachtstafel der Kronacher Rotarier, dort waren zuletzt rund 600 Personen angemeldet – Tendenz steigend.
Auch das Lädla der Caritas verzeichnet immer mehr Menschen, die von Armut betroffen sind. Besonders bedrückend ist es, wenn Kinder in der Warteschlange stehen oder
wenn man auf dem Marienplatz in Kronach ältere Menschen beim Durchsuchen der Mülleimer sieht.
Wenn dann noch in der NP vom 13. Februar 2026 steht:
„Kaum Geld aus München für arme Franken“, dann bleibt einem das Nachdenken nicht erspart.
Wir wollen uns dennoch nicht entmutigen lassen, sondern hoffen, dass Sie, dass ihr, als Vertreterinnen und Vertreter unseres Landkreises, mutig nach vorne schaut.
Ganz bewusst haben wir eingangs die neue Berufsschule und das Kompetenzzentrum Pflege genannt – denn beide stehen für Zukunft, Bildung und Zusammenhalt.
Dazu gehören aber ebenso die Mobile Jugendarbeit, die Gleichstellungsstelle, der Kreisjugendring und die Jugendhilfe. Genau dahin muss euer Bestreben weiterhin gehen:
nämlich den sozialen Frieden zu bewahren.
… denn ohne diesen Frieden ist es auch mit uns und der Demokratie vorbei – die Zusammensetzung des neuen Kreistages ist für uns ein Zeichen.
Im Sinne der sozialen Arbeit, versteht sich auch unser Kommunalunternehmen der Lucas-Cranach-Campus:
mit Projekten wie Housing First und Second Stage in Zusammenarbeit mit der Caritas.
Damit geben wir Menschen aus unserem Landkreis eine zweite Chance-ein Dach über dem Kopf, Sicherheit und soziale Würde.
Diese soziale Verantwortung spiegelt sich auch im täglichen Engagement des Personals des LCC´s wider, dass nicht nur die Wohnungen betreut, sondern auch die Menschen, die dort leben im Auge behält und so einen wirklich wichtigen Beitrag leistet.

Seit nunmehr 30 Jahren bringen sich die Kreisrätinnen der Frauenliste mit Ausdauer und Sachverstand im Kreistag ein. Wir haben viel bewegt: den Bau der psychiatrischen Tagesklinik, den Neubau des Frauenhauses, und wir haben beharrlich dazu beigetragen, dass sich unser Landkreis weiterentwickelt hat.
Drei Jahrzehnte Einsatz für Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit und Miteinander – und das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein starkes Zeichen!

Wir möchten Ihnen deshalb allen hier erneut zu bedenken geben:

Das Maß der tatsächlichen Demokratie ist das Maß der Beteiligung von Frauen!
… und diese Maß ist wiedermal gefährdet! Vor 6 Jahren übernahm Edith Memmel von den Grünen das Amt der stellvertretenden Landrätin und übergab den Staffelstab nach 3 Jahren an Marie-Theres Wunder von der JU.
Marie-Theres Wunder hat ihre Aufgabe ebenfalls mit Bravour gemeistert – und nun soll sie weichen. Warum?
Weil „alte weiße Männer“ – ob jung oder alt – immer noch das Sagen haben und um jedes Amt konkurrieren?
Geht es hier um Macht und persönliche Bedeutung statt um das Allgemeinwohl?
Unsere demokratischen Gremien müssen die Bevölkerung widerspiegeln. Und dazu gehört:
Frauen machen mehr als die Hälfte unserer Gesellschaft aus – auch im Landkreis Kronach – und wir wollen entsprechend vertreten sein.
Von Frauen, für Frauen und für eine echte Demokratie!

Am Ende unserer Haushaltsrede möchten wir, Petra Wich-Knoten und ich der gesamten Verwaltung unseren aufrichtigen Dank aussprechen:
für ihr großes Engagement, für den Zusammenhalt und für das spürbare Herzblut, das in der Arbeit für unseren Landkreis steckt.

Ein besonderer Dank gilt unserem Landrat Klaus Löffler –
• für die Unterstützung auch in schwierigen Zeiten,
• für offene Worte und das ehrliche Bemühen, gemeinsame Wege zu finden.
Und wir danken
dem gesamten Gremium für die konstruktive, oft parteiübergreifende Zusammenarbeit und für das Gefühl, dass wir hier gemeinsam Verantwortung tragen, in unserem Fall getragen haben.

Geht diesen Weg weiter –
• mit Mut,
• mit Weitsicht
• und mit dem festen Willen, unseren Landkreis lebenswert zu erhalten.
• Möge der Landkreis Kronach auch in schwierigen Zeiten zusammenstehen und sich mit Herz und Vernunft den Herausforderungen stellen.
Denn nur wer sich gemeinsam bewegt, bringt auch gemeinsam etwas voran.

Petra Zenkel-Schirmer, Petra Wich-Knoten
20.04.2026